Handzeichen gelten als Vorstufe und begleitender Vermittler der Sprache und werden von Menschen und Affen verwendet. Die Bedeutungen der Zeichen sind dabei zeitabhängig sowie gruppen- oder kulturbezogen. Gesten können in einer Gesellschaft gar keine Bedeutung haben, da sie dort nicht bekannt sind. Sie können aber auch eine positive oder negative Bedeutung haben oder schlimmstenfalls eine Beleidigung darstellen.

Seit der prähistorischen Zeit von Bedeutung: Die Handzeichen

Schon aus der Aurignacien-Kultur (40.000-31.000 v.d.Z.) sind Negativabdrücke von vollständigen oder verstümmelten Händen aus der Steinzeit bekannt. Hände und insbesondere die Gestik erhielten in den nachfolgenden Kulturen und deren bildlichen Darstellungen große Bedeutung. So sind verschiedene Handzeichen als Demutshaltung, als Opferritus, als Anrufung an die Götter oder auch als Drohung, Herabsetzung, Sieges- oder Herrschaftsgestus zu verstehen. Handzeichen können einer Normierung unterliegen, wie beispielsweise zur Regelung des Straßenverkehrs, zur Kommunikation unter Tauchern, als Gebärdensprache und so fort.

Buchstabieren und Rechnen

Mit den FingernDarstellung von Zahlenwerten und Rechenoperationen sind mit den Fingern der Hand möglich. In verschiedenen Rechenmethoden werden auch die Zehen und Händen ist die Darstellung einzelner Buchstaben des Alphabets möglich, wenn eine direkte Kommunikation nicht über Sprache, sondern nur über Sichtkontakt erfolgen kann. Auch die hierin mit einbezogen.

Zahlzeichen mittels der Finger werden in vielen Kulturen unterschiedlich dargestellt. So ist die Zahl 10 mit allen zehn Fingern (einschließlich Daumen) darstellbar, oder wie im Chinesischen Finger-Zahl-System durch eine geschlossene Faust. Auch ist dies mittels zweier gekreuzter Finger (als symbolische Darstellung des römischen Zahlenwert “X”) möglich.

Mehrdeutige Handzeichen

Vorsicht mit Handzeichen, denn sie können in andern Ländern andere Bedeutungen haben.

Vorsicht mit Handzeichen, denn sie können in andern Ländern andere Bedeutungen haben.

Durch ihre Kulturabhängigkeit können Handzeichen doppeldeutig und missverständlich sein. Der hochgereckte Daumen kann somit in einer Gesellschaft als positives Zeichen für “alles o.k.” oder “gut gemacht” verstanden werden, in einer anderen Kultur wird darunter ein Zeichen für homosexuelle Praktiken oder wieder in einer anderen das Pendant zum hochgereckten Mittelfinger (sogenannter “Stinkefinger“) in der heutigen westlichen Deutungskultur verstanden.

Der gestreckte Mittelfinger, als “katapugon” oder “digitus impudicus” hatte ursprünglich in der griechisch-römischen Antike die Bedeutung eines apotropäischen Gegenzaubers, also ein Gestus, mit welchem Böses oder Übel abgewendet werden sollte. Heute wird die Geste in einer abwertenden sexuellen Bedeutung verwendet.

Ein in ähnlicher Weise verwendetes Handzeichen ist die “mano cornuta”, die Hörnerhand. Dabei werden aus der geschlossenen Faust nur der Kleine Finger und der Zeigefinger nach oben gereckt. Es ergibt sich so die Darstellung einer gehörnten Hand. Dieses Zeichen wird sowohl als Darstellung des Teufels, wie zur Symbolisierung einer betrogenen (gehörnten) Person verwendet, aber auch als apotropäisches Handzeichen (“jemandem die Hörner zeigen”). Sie dient ebenso als Gruppen- und Erkennungszeichen im Bereich der Heavy-Metal-Musik.

Wird von der “Mano Cornuta” jedoch der Daumen ebenfalls noch abgespreizt, so bedeutet dies in der amerikanischen Gebärdensprache “I love you”.

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